Minimalismus – Traum oder Wirklichkeit?

Wer von Euch sammelt? Wer von Euch hat den Dachboden/den Keller vollgestellt? Wer von Euch hat zu viel von Dingen, die er nicht braucht?
Ihr gehört nicht dazu meint ihr? Sicher?
Ich glaube tatsächlich, dass die WENIGSTEN von uns nur Dinge besitzen, die sie wirklich brauchen. Da zähle ich auch uns dazu. Schaut zum Beispiel mal in Eure Küche: Wie viele Teller besitzt ihr? Benutzt ihr tatsächlich jede Schüssel, jedes Haushaltsgerät, das ihr habt? Braucht man z.B. zehn Tupperdosen? Und braucht man tatsächlich die ganzen Sektgläser, die nur einmal im Jahr heraus gekramt werden?
Was bei dem Einen zu viel an Küchen-Gegenständen vorhanden ist, häuft sich bei dem anderen im Wohnzimmer. Oder wie war das mit den Büchern? Habt ihr alle gelesen? Werdet ihr es überhaupt jemals schaffen, jedes Buch gelesen zu haben?

Das sind nur wenige Beispiele von vielen weiteren Dingen, die ein Jeder von uns mehr oder weniger „sammelt“ Denn wenn man nur zwei Betten im Haus hat, aber acht Garnituren Bettwäsche, so kann man nicht mehr wirklich davon sprechen, diese Dinge auch wirklich zu brauchen.

Uns geht es nicht anders! In einem Haushalt mit 9 Personen sammelt sich so einiges an. Wir können noch so oft aussortieren, ich habe dennoch den Eindruck, dass es ein endloser und erfolgloser Versuch ist, minimalistischer leben zu wollen. Und da kommt so manches Male auch das Gefühl hoch: Vielleicht wollen wir gar nicht reduzieren. Warum sonst, schleppt immer wieder Jeder so viel Zeugs an?

 

Dennoch versuchen wir es immer wieder: aussortieren, aussortieren, aussortieren.
Gerade haben wir wieder das ganze Haus auf den Kopf gestellt: alles was wir die letzten Monate nicht gebraucht haben, kam weg. Das Kücheninventar wurde sicher um 50% reduziert (wofür braucht man nochmal drei Kuchenschaufeln???), vor allem Schüsseln, Teller und Dosen durften weichen. Dennoch stehen noch immer 10 Brotzeitdosen im Schrank. Bei 7 Kindern könnte man die ja brauchen. Wenn man wandern geht z.B. Doch wie oft geht man im Jahr mit Allen zusammen wandern? Und reichen da nicht dann auch die anderen Behälter, die man noch hat? Ich merke gerade, dass ich das Haus wohl nochmal auf den Kopf stellen muss.

Und das ist wirklich ein guter Tipp:
Wenn ihr fertig mit dem aussortieren seid – dann fangt von vorne an. Immer und immer wieder. Wir haben vor Jahren damit angefangen und obwohl noch immer viel zu viel Zeug vorhanden ist, wird es doch merklich weniger. Sogar Möbel haben wir hergegeben und mindestens 300 Bücher. Wir werden sie eh nicht alle lesen. Nur was uns wirklich wichtig war, durfte bleiben.

Schwer fällt es mir, Kindersachen auszusortieren. Bei 7 Kids ist immer ein Kind da, was noch in die Klamotten der Anderen reinwachsen kann. Alles aufheben braucht man dennoch nicht. Wie oft bekommen wir Kleidung geschenkt und können dann in einer Größe gleich 3 Kinder einkleiden? Was die Kleinsten Kids aussortieren, das wird gespendet – schließlich kommt nichts mehr an Kindern nach und ich sehe nicht ein, etwas für die Enkelkinder aufzuheben. Anders ist das mit den Spielsachen. Lego, Schleich und Playmobil hergeben? Das kann ich wirklich nicht. Die Lego Duplo Sammlung hatte ich mal etwas ausgedünnt, denn nachdem wir für die Kids 2-3 Kisten Duplo besorgt haben, hatte ich auch noch die Sammlung aus meiner Kindheit vermacht bekommen. Viel zu viel. Die Hälfte ist weg und trotzdem ist noch so viel da, dass die Kids gar nicht mit allem spielen können. Hergeben kann ich es dennoch nicht. Es ist ein Erbe.

Und so hat auch jeder sein „Laster“ – Dinge, von denen er genau weiß, dass er sie nicht wirklich braucht, von denen er sich aber auch nicht wirklich trennen will. So ein Laster haben auch wir. Bei uns sind es die Gesellschaftsspiele. Wir sammeln sie und geben nur her, was nicht gut ist. Es ist unser größtes Hobby und wir spielen sicher 4-6x die Woche ohne Kinder, mit Kindern/Teens, mit Freunden, in Spielgruppen oder nur Andreas und ich. Spielen macht Spaß, ist kommunikativ, regt das logische Denken an und ist phantasievoll. Es tut uns gut. Und dennoch kann man darüber streiten, ob man 300 Spiele braucht. Vor allem wenn man bedenkt, dass sicher 40 Spiele noch nie gespielt wurden. An der Stelle kann man sicher nicht mehr von Minimalismus sprechen. Den Anspruch habe ich aber auch nicht.

 

Wir haben für uns beschlossen, so viel zu reduzieren, wie möglich. Denn das schafft Freiheit. Man muss wenige wegräumen, abstauben, saubermachen, reparieren usw. Dinge zu besitzen bedeutet nämlich auch Verantwortung und Arbeit. Je weniger desto besser ist es also. Aber das System darf Schwächen haben. Es darf Bereiche geben, die dieser Logik nicht stand halten. Einfach weil es einem gut tut, weil es erfüllend ist. So wie unser Hobby, das Gesellschaftsspiele spielen.
Es sollten nur nicht zu viele Schwächen im System existieren: Wenn man dann nämlich Bücher, Spiele, Spielzeug, Zeitungen, Figuren, Tassen, what ever sammelt, so endete der Weg zum Minimalismus in einer Sackgasse.

 

Also überlegt Euch gut, was ihr wirklich braucht. Und überlegt noch besser, welche Schwächen ihr bewusst zulassen wollt. Und dann sortiert aus. Immer und immer wieder. Es wird Euch befreien und außerdem Menschen helfen, die weniger haben und sich über die eine Kuchenschaufel oder die Sektgläser freuen. Sozialkaufhäuser nehmen diese Spenden dankbar an.

Viel Spaß beim Reduzieren 🙂

 

Hier noch eine kleine Werbung in eigener Sache:
Bitte unterstützt unser geplantes Sozialprojekt, indem ihr den Blog abonniert und fleißig kommentiert. Je größer das mediale Interesse ist, umso eher bekommen wir das Spielecafé der Generationen in unserer Gegend umgesetzt. Helft uns dabei, es bringt Menschen von Jung bis Alt zusammen. http://www.jungundaltspielt.de

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Jahresrückblick …. zurück auf Null und wieder los

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Sonnenwende lässt die Tage bereits wieder heller werden und für Viele sind die besinnlichen Tage rund um die Weihnacht bereits vorbei. In meinem Fall nutze ich diese Tage immer, um das Jahr Revue passieren zu lassen und nach vorne zu blicken.
Was wurde getan…Stimmt das mit dem überein was ich vor hatte… Wie geht es meiner Familie und was geschieht in der Welt, was mich bewegt und auch beeinflusst… Wo stehen wir nach einem weiteren Jahr und was möchte ich im nächsten Jahr erreichen…?

Rückblickend war unser Jahr eine sehr spannende Sache, denn neben allen Themen, die wir bisher auf unserem Blog hier behandelten, gibt es natürlich noch weit mehr in unserem Leben das uns ausmacht. So begann das Jahr mit einer Entscheidung die für uns zugleich ein kleines Experiment darstellen sollte. Wir werden „Veganer“ – wobei ich mich nicht als solchen ettiketieren lasse oder möchte. Ich bin „Mensch“ und mich machen millionen von Facetten zu dem, was ich heute in der Welt darstelle.
Dennoch hatten wir uns dazu entschlossen unsere Ernährung auf eine rein pflanzliche umzustellen und das gelang uns total einfach und prima. Selbst unsere kurze Reise nach Stockholm im Februar war diesbezüglich sehr spannend, weil wir überall und immer was leckeres bekommen haben. Tja, und wenn es mal nix für uns gab, dann wurde einfach etwas passend gemacht und jeder war glücklich. Das Restaurant, weil sie uns glücklich machen konnten und wir natürlich weil es jeder anders umgesetzt hat und es immer total lecker war.

Im Frühjahr, als die Gartensaison begann, hatte ich mir viel vorgenommen und wie anhand unserer Veröffentlichungen hier schon zu erkennen war…. ging das Gartenjahr 2016 total in die Hose. Petra´s Arbeit und Studium wurde im zweiten Jahr natürlich anspruchsvoller, so dass meiner Einer mehr im Haus und mit den Kindern übernehmen musste und weniger Zeit für den Garten blieb. Was heißt Garten…. in meinem Fall ein Areal von 5000 qm mit 130qm Gewächshäusern (2 Stk.) und gut 500qm Beetflächen die mir dann mehr schlecht als recht über den Kopf gewachsen sind.
Passend dazu gab es noch ein Mega-Hochwasser in der Region, das dazu führte, dass ich wochenlang geholfen hatte und dazu mein Grundstück zum einen vollständig matschig war und auf der anderen Seite danach der Wachstum so stark war, dass ich dem Gras und den Beikräutern beim wachsen zusehen konnte.

Diese Phase ging nahtlos über in unser Jahreshighlight. Eine Rundreise in Schweden. Wir haben uns dazu einen günstigen Wohnwagen angeschafft. Wir waren gut zwei Monate damit beschäftigt, alles dafür vorzubereiten. Geplant war eine Reise über fünf Wochen und ca. 5000km Gesamtlänge mit insgesamt sieben Kindern. Unterwegs waren wir mit unserem VW-Bus, mit 7m Wohnwagen, Vorzelt und Zelten….. also gut 4 Tonnen Ausrüstung, um für alle Lebenslagen gewappnet zu sein.
Über den ökologischen Fussabdruck und so weiter lässt sich sicher streiten…. doch so etwas macht man insbesondere als Kind sicher nur einmal mit seinen Eltern. Es war eine Erfahrung die unsere Kinder für Ihr gesamtes Leben mitnehmen.

Kehrseite dieser Aktion war, dass ich zwar 70 Tomaten im Gewächshaus gepflanzt hatte, aber mich nicht mehr drum kümmern konnte. Ebensowenig um den Rest meines Unkrautgartens 😉 Dafür wurden wir bei unserer Rückkehr von einem Tomatendschungel und einigen wild aufgegangenen Gurkenpflanzen dermaßen überrascht, dass wir den restlichen Sommer und Herbst damit vollständig versorgt waren.

Die Reise selbst war atemberaubend, sehr eindruckvoll und überraschend. Uns wurde in Foren immer von den „unnahbaren“ Schweden berichtet. Ehrlich…. wir haben echt überall im Land danach gesucht. Wir sind von Ystad, über Stockholm hoch bis nach Dalarna an den Siljansee gefahren. Auf dem Rückweg haben wir bei Bekannten hier aus unserem Ort in Niederbayern halt gemacht, die dort ein Anwesen haben und sind über die großen Seen zurück nach Trelleborg gefahren. Ja selbst hoch an den großen Wasserfall im Nationalpark an der norwegischen Grenze haben wir nach „unnahbaren“ Schweden gesucht und keinen gefunden. Im Gegenteil….. Wir wurden überall mit offenen Armen und Herzen empfangen und haben viele sehr nette Bekanntschaften gemacht.

Das was wir auf der Strecke haben liegen lassen, war unsere vegane Ernährungsweise. In einem ungewohnten Lebensraum und mit vielen Kindern und vielen Herausforderungen (wie Motorschaden, ein Orkan, der unser Vorzelt fast davon wehte, ein verletzes Kleinkind und eine entzündete OP Narbe) haben sich dann neben der fleischlosen Version leider auch normale Grillwürstchen und so manch Anderes eingeschlichen was wir dann auch noch mit nach Hause genommen haben…..

…. wir aßen zwar nach wie vor zu 90% vegan, doch da schlichen sich dann wieder Dinge ein, die mich zu meinem „Schweinehund-Beitrag“ bewogen haben.

Neben all dem Schönen, von dem ich berichte, brachte das Jahr auch einige große Herausforderungen mit sich, an denen wir zu knabbern hatten und natürlich eine Menge Aufmerksamkeit benötigten. Kleinere und größere Krankheiten, Herausforderungen an der Arbeit und ein Zusammenbruch. Dies führte auch dazu, dass wir kaum im „Außen“ gewirkt haben oder uns über unseren Blog mitteilen wollten. Dafür war einfach keine Energie vorhanden, und mein Wurstbrot will hier eh keiner sehen 😛

Geschweige denn Bilder von meinem ziemlich desolaten Garten.

Doch genug der Worte über Vergangenes. Abschließen möchte ich das Jahr damit, dass es mir und meiner Familie sehr viele wirklich tolle intensive und lehrreiche Momente geschenkt hat. Auch wenn manche Wendung des Schicksales sich so angefühlt hat, als ob es zu viel war …. wirklich zu viel war, so haben wir es immer geschafft. Ob als Familie oder als Paar…..!

Auch wenn wir in der letzten Lebensphase wieder ziemlich weit weg waren von unserem grundsätzlichen Plan, mit einem enkeltauglichen Leben und dem Selbermachen…. so werden wir uns das kommende Jahr wieder mehr darauf besinnen und uns dieses Dinge ins Leben zurück holen. Stück für Stück und in dem Maße, dass es uns nicht überfordert… oder uns der Garten mehr Kraft kostet als er uns schenkt.
Das kommende Jahr werde ich auch dazu nutzen um zu überdenken, was ich und wir wirklich brauchen und was wir an überflüssigem Balast in allen Lebenslagen „angesammelt“ haben von dem wir uns wieder lösen möchten. Der Begriff „Minimalimus“ ist im Moment sehr modern und gefragt…. ja auch teilsweise schon wieder als Druckmittel im Einsatz. (Wie Du hast ein Notebook und ein Smartphone Du bist kein „Minimalist“?)

Wir sind was wir sind und jeder kleine Schritt, egal in welche Richtung, bringt uns weiter und führt uns – sofern wir wachsam und bei uns bleiben – schlussendlich in die richtige Richtung.

Für uns ist die Richtung mal mehr und mal weniger klar, doch auch wenn das Bild manchmal verschwommen aussieht…..

…. wir wissen wohin es gehen soll. „Unser Leben und die Welt ein Stückchen besser und vor allem enkeltauglicher machen“

Mein Wunsch ist, dass auch meine Kinder einmal mit der gleichen Freude – wie wir – für ihre Kinder da sein können und sie diese in einer zukunftsfähigen und vor allem friedlichen Welt beim erwachsen werden begleiten dürfen! Von diesem Bild wäre ich gerne einmal ein Teil und das allein sagt genug darüber aus, wohin wir uns alle in der Welt entwickeln müssen, damit vielleicht einmal jede Familie auf der Welt diese Chance hat!

Ich wünsche Euch einen guten Rutsch in ein schönes, lehrreiches und spannendes Jahr 2017.