Ein Jahr im Wandel

Nachdem wir nun die neue Saison schon förmlich riechen können und die Gartensaison 2014 vor der Tür steht, ist es an der Zeit die Erfahrungen des letzten Jahres noch einmal Revue passieren zu lassen. Vor etwa einem Jahr sind wir im Grunde um 180 Grad in unserer Laufrichtung gedreht worden und standen im ersten Moment ziemlich ratlos da.

Alternativen mussten also her und das ziemlich schnell, da vieles auf einmal nicht mehr da war wie wir es gewohnt waren. Tja, nachdem wir allerdings uns schon seit Jahren mit Themen wie gesunder vegetarischer und veganer Ernährung, Selbstversorgung, Permakultur und vieles mehr, in vielen Fällen zumindest in der Theorie beschäftigen, stand uns nun der Praxis-Test und damit unsere persönliche Feuerprobe bevor.

Weg vom Konsum und so viel als möglich selbst machen. Von der Selbstversorgung sind wir noch Meilenweit entfernt, doch wir begreifen diesen Begriff nicht als Status sondern als Lebensweg. Für uns beginnt die Selbstversorgung bereits mit regelmäßigem Backen, Kresse auf dem Fensterbrett oder einem kleinen Balkongarten. Etwas herzustellen das zum täglichen Leben gebraucht wird. Natürlich ist das Ideal vorhanden sich mit möglichst vielen Lebensmitteln einen möglichst hohen Selbstversorgungsgrad sicher zu stellen. Hier schließt unser Bild nicht nur unseren Garten, sondern auch ein regionales Netzwerk von Selbermachern mit ein. Ohne Gemeinschaft ist es nicht nur viel schwerer, sondern auch viel langweiliger 😉

Die ersten Monate waren etwas ungewohnt und spannend. Voller Experimente und herumprobieren von Rezepten, um auszuprobieren was zu unserer Familie am besten für den täglichen Bedarf passt. Vorratshaltung durch einkochen, lagern und weiteren Verarbeitungsmethoden wurden ausprobiert und Netzwerke in der Region wurden geschaffen, die nicht nur uns ermöglichen selbstbestimmter mit der Ernährung umzugehen.

Auch haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir auf diese Weise viel wirklich viel mehr Vielfalt in unser Leben bekommen haben. Wir haben noch nie zuvor so viele verschiedene Marmeladen, Brotsorten, Aufstriche oder sonstige vegetarische oder vegane Gerichte kennen gelernt. Dieses Leben macht neugierig und aus Hobbyköchen zu wahren Forschern in Garten und Küche.

Es wurden Salben, Tee´s, Tinkturen, Öle und vieles mehr hergestellt. Diese Produkte unterstützen die Familie in der Gesunderhaltung und bei kleinen weh-wehchen. (Wobei diese Dinge nicht den Gang zum Arzt…bla bla bla… Ihr wisst schon 😉 )

Ein Tauschkreis bzw. Nachbarschaftsnetzwerk wurde in der Region ins Leben gerufen. Hier treffen sich interessierte Menschen die über diesen Weg zu einer zusammen wirkenden Gemeinschaft wachsen. Es wird geholfen, getauscht und zusammen gefeiert. Wir lernen hier fast jede Woche neue Menschen aus der Umgebung kennen, die sich zuvor – wie wir vor Jahren auch – mit Ihrem Lebensstil etwas allein gefühlt haben. Viele die daran teilnehmen machen sich durchaus Gedanken darüber, wie eine enkeltaugliche Welt auszusehen hat und was im Moment aus unserer Sicht falsch läuft.

Über die Monate ist dieser neue Lebensweg zu einem festen Bestandteil geworden der sich nicht mehr ungewohnt oder gar komisch anfühlt. Zu Beginn war es durchaus sehr ungewohnt immer daran zu denken das genügend Brot oder Hefe bzw. Getreide für Brot vorhanden ist, damit unsere Großfamilie was zu futtern hat.

Es geht alles, wenn man sich auf den Weg macht.

Natürlich sind durch diese Veränderung auch weitere Visionen und Pläne entstanden. In diesem Jahr widmen wir unsere Aufmerksamkeit noch mehr als letztes Jahr unserem Garten. Gerade in der Winterzeit – wenn dieser Winter als solche bezeichnet werden kann – haben wir Tagelang Literatur gewälzt und uns über all die verschiedenen Methoden einen Überblick verschafft. Daraus resultierte dann auch das Ergebnis, dass in diesem Jahr auch ein Permakultur Design Kurs gemacht wird, damit wir unseren Hektar hier nach diesem Konzept gestalten und zur essbaren Familienlandschaft umbauen können.

Es macht so viel Spass, alles zu Hinterfragen und festzustellen was man im Grunde eigentlich alles nicht braucht um ein erfülltes Leben zu führen. Jeden Monat fallen uns neue Dinge auf die wir noch besser machen oder einfach Weg lassen können. Gerade in diesem nun nahenden Frühling fällt vieles in unserem Haus demnächst dem Frühjahrsputz zum Opfer, da wir das Gefühl haben viel zu viele Gegenstände zu besitzen die wir im Grunde garnicht brauchen oder einfach nicht verwenden.

Auch beginnt nun wieder die Radlsaison. Letztes Jahr war ich leider zu spät dran uns mit der nötigen Ausrüstung zu versorgen, dass wir auch im Winter mit dem Rad alltägliche Besorgungsfahrten zu machen. Auch fehlt uns hier noch das Training. Da wir ja so gut wie nie allein unterwegs sind, sondern mit unseren Kindern im Anhänger, geht das hier natürlich vor…. unsere jüngste Tochter kann es schon garnicht mehr erwarten mit mir im Rad zum einkaufen oder in den Kindergarten zu fahren.

Ehrlich, im Grunde fühlt sich ein Leben weg von der unüberlegten Ressourcenverschwendung hin zu einem nachhaltigeren Lebensstil garnicht so komisch an 😉 Wir machen vieles einfach nur anders und das Stück für Stück, Schritt für Schritt… mit vielen Versuchen, Experimenten und natürlich auch Rückschlägen.

Wir haben beispielsweise versucht in unseren Marmeladen oder Kompotts die wir eingemacht haben die Zuckermenge so weit als möglich zu reduzieren und festgestellt, das das bei manchem Obst sehr gut funktioniert und anders wiederum mehr braucht damit es während der Lagerung nicht kippt. Genaues können wir hier noch nicht berichten, werden dies aber sicher noch tun wenn wir sicher sind was wir bei manchen Dingen einfach falsch gemacht haben. Oder auch das Thema Milch. Wir haben aufgehört selbst Sojamilch herzustellen, da wir unseren Milchbedarf so weit reduziert haben das es sich nicht mehr lohnt dies selbst zu machen. Oft wurde diese einfach schlecht und da wir keine Lebensmittel wegwerfen wollen, haben wir uns entschlossen die ein bis zwei Liter die wir in der Wochen brauchen zu kaufen als sich dafür 1 Stunde in die Küche zu stellen. Auch das gibt es 😉 Ob das so bleibt oder ob wir dies dann nach Bedarf doch wieder selbst herstellen oder einfach Getreidemilch machen, wenn nötig wird die Zeit zeigen.

Das erste Jahr unserer Reise ist nun bald vorrüber und wir wollen definitiv nicht mehr zurück zu unserem alten Lebensstil aus Supermarktprodukten, Restaurantbesuchen und Industriebäckereibrot uvm. …. Begleitet wurde dieser Prozess von vielen interessanten Inspirationsquellen, Büchern, lieben Menschen und Vorbildern die schon viel weiter auf dieser Reise sind.

Wir können es nur jedem empfehlen, denn nicht ist spannender als das Leben selbst und noch interessanter wird es wenn man dies unter Berücksichtigung einer Nachwelt tut der den Kindern und Enkelkindern auch noch Spass machen soll.

Advertisements

8 Kommentare zu “Ein Jahr im Wandel

    • Liebe Stadtpflanze,

      Danke für das Feedback. Das „auf dem Boden geblieben“ ist eine Ansichtssache. Wir hatten das Gefühl aufgrund der Rückkehr zum richtigen Maß wieder Kontakt mit dem Boden bekommen zu haben. In unserer Überfluss-, Konsum-, und Wegwerfgesellschaft ist das alles was wir heute als Normal ansehen einfach viel zu abgehoben. Natürlich bedeutet das nicht zurück in die Steinzeit, jedoch zurück zu einem vernünftigen Umgang mit Ressourcen die uns zur Verfügung stehen.

      Liebe Grüße
      Andreas

      • Ich meinte damit vor allem, dass ihr nicht esoterischen Verherrlichungen nachhängt und immer noch am „gesellschaftlichen Leben“ teilnehmt. Sowas. 🙂

        Den Konsumrausch muss man nicht mitmachen, um Teil der Gesellschaft zu bleiben, bzw. „Bodenhaftung“ zu haben/zu behalten… Aber ich stimme dir definitiv zu, dass „Bodenhaftung“ nichts mit Konsumrausch, Verschwendung, Müllmengen usw. zu tun hat! 🙂

        Das ist doch das schöne, oder? Das man merkt, dass es nicht so sein muss, wie die Werbung weißmachen will – und worauf immer noch viele „hereinfallen“

  1. Richtig toller Kommentar! Danke. Manchmal denke ich, es geht nur uns so. Ratlos vor der einen oder anderen Situation zu stehen. Oder auch mal zurückzurudern. (Sojamilch) 😉 Das Problem haben wir nämlich ganz genauso gelöst! 🙂 Aber auch da denke ich: es zählt das große, ganze. Jeder so wie er kann.
    Beim Thema. ich schaue mir gerade beim schreiben auf meine Hände, die noch spuren von den gestrigen Gartenarbeiten aufweisen. Mit den Kindern Kartoffeln vortreiben, Blumenkohl aussähen, Kapuzinerkresse in den Garten sähen….. Das ganze löst ein Gefühl der Zufriedenheit in mir aus. So zufrieden war ich früher nach Shoppingtouren nie. Es fühlt sich „richtig“ an. L.G. aus dem bewölkten Osnabrück.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s