Tauschen statt kaufen

Der Herbst ist da und es gibt jede Menge Überfluss an Erntegut in den meisten Gärten. Nicht selten viel mehr, als die Familie sehr benötigt oder verarbeiten kann. Im Umkehrschluss gibt es aber auch viele die keinen Garten oder Obstbäume haben und gerne Äpfel hätten. Vielleicht lebst Du aber auch in der Stadt und hast erst garkeinen Garten und würdest jedoch gerne Äpfel haben die nicht aus dem Supermarkt und der Industrie kommen.

Uns geht es da ähnlich, obwohl wir einen großen Garten haben. Nur hat bei uns mehr die Schnecke zu fressen bekommen als wir 😉

Weiterhin geht das auch mit vielen anderen Dingen die nicht immer gebraucht werden. Oder eben im einen Haus zu viel sind und dafür in einem anderen im Moment gebraucht werden. Was nützt einem ein Gegenstand der 360 Tage im Jahr herumsteht und das vielleicht in den meisten Haushalten.

Wir haben vielleicht schon darüber geschrieben, dass wir in dieser Hinsicht vieles ertauschen. Dafür nutzen wir in unserer Region einen sog. Tauschkreis. Bei uns heißt er „WIR GEMEINSAM – Nachbarschaftshilfe“ und vernetzen uns hier regional mit vielen anderen Menschen die ebenso Mitglied in diesem Verein sind. Getauscht wird auf Basis von Zeit und dafür gibt es dann Gutscheine für 1/4, 1/2 und einer vollen Stunde, ja nachdem was gebraucht wird. Auf diese Weise schaffen wir uns hier eine Gemeinschaft die sich regelmäßig trifft und sich gegenseitig hilft ohne dafür Geld benutzen zu müssen. Naja, dass heißt wir nutzen keine EUROs, sondern ein anderes Geld dafür das nicht von Banken „erschaffen“ wurde… jedoch ist das ein anderes sehr spannendes Thema.

Letztes Wochenende hatten wir vom Verein ein Regionentreffen, an dem sich die Gruppenleiter der verschiedenen Regionen zum halbjährlichen Austausch treffen und es war ein sehr schöner Tag. Man spürt richtig, dass viele Menschen wieder mehr den Schritt aufeinander zu gehen und zusammen etwas tun wollen, statt einfach ohne zu überlegen das von der Industrie hergestellte Zeug zu kaufen.

Das verstehe ich unter gelebte Nachhaltigkeit, denn es schont die Umwelt, nutzt lokale Ressourcen, schont Mitmenschen die bei anderen Produkten unter sklavenähnlichen Bedingungen die Produkte für die westliche Welt herstellen und man stärkt die Gemeinschaft in seinem lokalen Umfeld.

Diese Tauschkreise oder Gruppen die alternative und damit regionale Währungen nutzen gibt es überall. Es gibt auch einige Initiativen die bereits versuchen ganz auf Währungen oder ähnlichem zu verzichten und in der Gruppe alles „umsonst“ machen. Auch das funktioniert, wenn das Geben und Nehmen sich immer wieder ausgleicht und Achtsamkeit unter den Menschen herrscht.

Ein gutes Beispiel ist ein Buch von Mark Boyle, dem Mann ohne Geld. Er hatte einen selbstversuch gestartet und lebte ein Jahr ohne Geld. Er stellte für sich ein paar Regeln auf, damit sein Selbstversuch auch authentisch und unter realen Bedingungen stattfindet. Er hat vor einigen Jahren die Freeconomy ins Leben gerufen und dort wird nur geschenkt bzw. geteilt. Es gibt dazu auch regelmäßig Veranstaltungen die ebenso frei für alle sind und dort kann man sich dann neue Fähigkeiten aneignen. Der Veranstalter selbst ist dann jemand der etwas sehr gut kann und bringt es den anderen entsprechend bei.

All diese Dinge begeistern mich im Moment sehr, denn alles was auf diesem Wege passiert ist selbstbestimmt und von und für Menschen gemacht und nicht aufgrund von Profitgier der Unternehmen entstanden.

Jeder kann es und in fast jeder Region gibt es solche Gruppen.

 

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4 Kommentare zu “Tauschen statt kaufen

  1. Supernsuper Klasse was ihr da macht. Ich lebe seit 4 Jahren mit meinem Mann in Thailand in Ban Khaolak. Wir haben ca. 1600 m² Grund den wir bewirtschaften. Zur Zeit gibt es Bananen bis zum Absinken, haben diese Woche eine 2O kilo Staude geerntet und irgendwann werde ich auch soweit sein, das ich hier Tauschgeschäfte mit den Thais mache.
    Gruß Margit

    • Hallo Margit,

      erst einmal bin ich sehr erstaunt, dass unser Blog auch von Menschen in Thailand gelesen wird. Das freut uns riesig.

      Im Grunde kann auf der ganzen Welt Tauschhandel betrieben und solche Kreise aufgebaut werden. Ohhh… Bananen wären hier auch ein Traum 😉

      Liebe Grüße

  2. Selbstgemaches fand ich schon immer gut und Gesund. Deshalb habe ich auch schon ein paar Weintrauben-Marmelade-Gläser bei http://swapy.de/ angeboten und getauscht. Die gingen weg wie sonst was. Lebensmittel online zu tauschen ist zwar immer so eine Sache aber in der Nachbarschaft durchaus schön. Hatte mir auch schon ein paar gestrickte Socken ertauscht für ein selbsgemaltes Wandbild

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