Bio-Produkte vs. Regionale Lebensmittel und saisonal!

Im Rahmen einiger Blogeinträge kam im Bezug auf „selber machen“ und „Bio“ die Frage auf was besser ist.
Bio oder lieber doch regionale Produkte oder gar beides?

Für uns gibt es kein „Bio“ oder „regionale Lebensmittel“, sondern vielmehr sowohl als auch. Der Idealfall wäre natürlich regionale Bioprodukte, doch in vielen Regionen ist der biologische Anbau nur spärlich oder einseitig anzutreffen. Ich denke es geht hier grundsätzlich garnicht darum was besser, schicker oder ökologisch sinnvoller ist. In erster Linie geht es darum sich erst einmal gesund, ausgewogen und möglichst „natürlich“ zu ernähren.

Am regionalsten und meist auch Bio – allerdings ohne Zertifikat – sind Erzeugnisse, die uns sowieso zur Verfügung stehen. Wie wäre es z.B. mit Brennessel, Giersch, Löwenzahn und etlichen anderen Dingen, die überall in unserer Umwelt wachsen? All diese sehr gesunden und in Fülle vorhandenen Pflanzen stehen uns allen zur Verfügung und werden kaum genutzt. Doch das soll heute nicht das Thema sein, denn darüber könnten wir auch Bücher schreiben je tiefer wir uns damit beschäftigen.

Da ich nicht der einzige bin der sich diesem Thema widmen möchte, habe ich mich mal im Internet umgesehen was andere so darüber geschrieben haben.

Hier ein paar Artikel und Links zu diesem Thema.

Ein Blogeintrag zum Thema aus Hamburg
Eine Diskussion hierzu auf Utopia.de
Interessanter Artikel am Beispiel eines Apfels regional vs. Biomassenproduktion

Ich könnte diese Liste noch beliebig fortführen da das Thema ins Endlose führen würde. Die größte Herausforderung ist dabei, sind nicht verrückt machen zu lassen zwischen dem hin und herhüpfen von bio – regional – fair – konventionellen Produkten, denn das ist einer der größten Hemmschuhe im bewußten Einkauf. Aus Überforderung fällt man da dann ganz gerne wieder ins alte Verhaltensmuster, da es zu kompliziert oder zu schwierig wird. Auch das ist ein Gewohnheitsprozess der zudem noch täglich mit mehreren tausend Werbebotschaften „unterstützt“ wird, damit wir das vermeintlich Richtige tun.

Wenn ich mir heute unseren Warenkorb der Familie ansehe, denn kaufen wir stand heute nicht ganz die Hälfte davon – so denke ich – rein regional ein. Davon ist einiges Bio und einiges sind unbehandelte Pflanzen – ungespritzt sagen die Bauern dazu. Was die Kosten betrifft sind die regionalen Produkte meist günstiger, aber die Auswahl dafür entsprechend eingeschränkt da die Produkte selbstverständlich von deren Saison abhängen, was für uns jetzt kein Problem darstellt. Unsere Äpfel die wir kaufen sind regionale Produkte und zukünftig ggfs. auch von befreundeten Familien die einen Überschuss haben und gegen Tausch an uns abgegeben werden.
Sich saisonal zu ernähren finden wir an dieser Stelle  sehr wichtig. Denn dann ist es tatsächlich möglich, überwiegend regional einzukaufen und Banane und Avocado aus Übersee bleiben dann die Luxus-Ausnahme. Was bringt uns ein Bio-Produkt, wenn es mit dem Flieger erst quer über den Kontinent geschippert werden musste? Schaut Euch mal die Verpackungen der Bio-Produkte aus den Supermärkten an: Da kann es einem schon schlecht werden!

Hier als Anregung ein netter Artikel mit Saison-Kalender von Utopia: (klick) (und by the way, saisonale Produkte sind meist auch noch VIEL günstiger!)

Unser Wunsch wäre es natürlich weitestgehend ALLE Produkte saisonal, regional und in Bioqualität kaufen zu können. Davon sind wir hier leider noch meilenweit entfernt und bin sehr gespannt wie weit man das Verhältnis mit der Zeit einfach steigern kann. Natürlich kommt noch der Eigenanbau mit dazu, wobei das mehr Hobby, als ertragsorientierter Eigenanbau ist – was noch nicht ist könnte mit der Zeit bei uns aber noch werden 😉

Fleisch, sofern wir welches überhaupt zu uns nehmen ( wir leben zu 95% vegetarisch), kommt auch hier aus der Region und wird artgerecht und biologisch „produziert“. Milch zukünftig ebenso – apropos zum Biobauern muss ich nachher noch hinfahren sonst gibt es keine leckeren Dampfnudeln mit Vanillesoße 😉

Entscheidend ist, dass man sich in dieser Frage nicht verrückt machen lässt, denn sonst verliert man schnell den Spass und den Mut daran, sich hier in diesem Bezug ständig zu verbessern und seinen eigenen Idealen in der heutigen Welt näher und näher zu kommen. Es steht außer Frage, dass Bio-Produkte aus Spanien, Neuseeland oder sonst wo her eine echt üble Ökobilanz haben – dann doch lieber mal NICHT-BIO und dafür aus der Region!
Auch ist heute nicht mehr Bio gleich Bio, von daher sind viele regionale Lebensmittel unter besseren Bedingungen hergestellt worden (nur eben ohne Zertifikat) als es bei Supermarktbioprodukten der Fall ist. Das Feld ist hier ist sehr groß und wir beginnen uns da mehr und mehr auszutoben, denn es geht nicht nur um unsere Ernährung wie Eingangs geschrieben, sondern natürlich auch um eine nachhaltige und enkeltaugliche Art und Weise im Umgang mit den Lebensmitteln und dessen Konsum.

Unser Wunsch bzw. die ideale Form unserer Lebensmittelbeschaffung wäre ein stetig steigender Selbstversorgungsgrad mit Obst, Gemüsen und Kräutern. Dazu vielleicht eine Art regionales CSA-Projekt (Community Supported Agriculture), um die weiteren Lebensmittel in Kooperation herzustellen und für alles was darüber hinaus geht, sich Wege zu suchen die möglichst sinnvoll sind oder eben auch auf einige Dinge zu verzichten die nicht unbedingt nötig sind.

In den letzten Wochen haben wir festgestellt, dass unsere Brotzeittafel noch nie so viel Vielfalt hatte wie bisher und gleichzeitig noch nie so wenig auf dem Tisch stand wie heute. Wir waren bzw. sind regelrechte Käse-Junkies und dennoch haben wir heute bei Weitem nicht mehr alle Tage einen im Haus – es ist schlichtweg nicht nötig. Gestern gab es bspw. einen superleckeren Avocado-Aufstrich (gut die Bio-Avocado hat sicherlich ein paar km auf der Schale), einen gelagerten Tomatenaufstrich (selbstgemacht) und selbstgemachtes Brot. Garniert wurde das mit einigen leckeren Kräutern aus dem Garten, selbstgezogenen Sprossen und achja halt, es gab noch eine selbstgemachte Kräuterbutter als Angebot mit Kräutern aus dem Garten (Rucola, Lauchzwiebel, Löwenzahn und Schnittlauch)

Demnächst werden wir einen Curry-Aufstrich ausprobieren und vieles mehr….alle Aufstriche sind innerhalb von 5 Minuten zubereitet oder haltbar.

Was dazu kommt ist, dass wir bei diesem Umgang mit unseren Lebensmitteln noch nie so wenig weggeworfen haben wie heute. Es ist völlig ok wenn man was nicht im Haus ist und dafür gibt es dann eben etwas anderes als Auswahl. Jede Woche wird einfach etwas anderes gekocht, ein anderer Aufstrich gemacht –  und das macht nicht nur Spass, sondern bringt viel Abwechslung auf den Tisch, ist super gesund und zu alledem sicherlich bei weitem ökologischer als wie jemals zuvor gelebt haben.
Man braucht nicht 10 verschiedene Brotaufstriche auf dem Tisch/im Kühlschrank – da wird dann meist nur wieder was weggeschmissen. Lieber nur 2-3 Angebote und dafür jede Woche wechselnd.

Entscheidend ist das es die Mischung macht und jeder für sich bewußt mit den Lebensmitteln umgeht. Achtlos Gekauftes und Gegessenes oder gar zum Schluss Weggeworfenes ist schädlich für alle und darauf kommt es an.

Abschließen möchte ich meine heutige Exkursion in den Gedanken bio oder lieber regionale Produkte damit, dass ein regionaler und kleinbäuerlicher Anbau sich in vielen Kulturen über Jahrtausende bewährt hatte und deshalb aus meiner Sicht nach der richtigere Weg wäre sich selbst zu versorgen. Durch diese Anbaukultur entstanden Millionen von verschiedenen Sorten die heute dank der industrialisierten Lebensmittelherstellung aufgrund von Regeln, Gesetzen und auf Kosten des Ertrages auf ein Minimum reduziert werden. Daher bin ich ein absoluter Freund des regionalen Anbaues und bin der Ansicht, dass eine Biodiversität nur auf diese Art und Weise erhalten werden kann. Wenn jede Familie sich zur Versorgung zudem einen kleinen Garten anlegt, entsteht in den Dörfern wieder ein reger Austausch mit den unterschiedlichsten selbst erzeugten Produkten dessen Vorteile weit über den der Ernährung hinaus gehen.

Wir werden uns ganz sicher noch intensiver mit diesem Thema auseinandersetzen, denn der regionale Einkauf  ist der erste Schritt in die Richtung der regionalen und später der eigenen Selbstversorgung, die ein tragender Teil einer jeden Gesellschaft war und es auch sein sollte. Wir haben in den letzten hundert Jahren all dies an Fabriken, Unternehmen und transnationale Konzerne abgegeben und diese Souveränität sollten wir uns alle wieder zurück holen!

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