Wegwerf-Gesellschaft – wie ändern wir etwas daran?

Die westliche Gesellschaft ist Meister des Mülls. Nicht nur, dass wir Millionen von Tonnen an „normalem“ Müll weg werfen, nein wir sind auch Vorreiter im Wegwerfen von Lebensmitteln. In Deutschland werden bis zu 50% der produzierten Lebensmittel weg geworfen. Wenn wir alle weggeworfenen Lebensmittel zusammenzählen, könnten wir  ohne Probleme die komplette Weltbevölkerung – ja sogar noch weit mehr Menschen – davon ernähren. Keiner müsste mehr hungern.
Was hier schief läuft wird uns wunderbar unter anderem in folgenden Filmen gezeigt:

 

Wenn man sich dies so anschaut, fühlt man sich als kleiner Mensch erst einmal relativ hilflos. Erscheint uns das Problem global  doch unlösbar….

Das aber sehen wir anders! Denn wenn jeder bei SICH anfängt und einige Dinge beachtet und wenn immer mehr Menschen dieses Bewußtsein entwickeln, nur dann kann sich auch global etwas ändern.

Was uns in der Familie am Meisten geholfen hat, ist das bewußte Planen der Gerichte für die kommende Woche. Einmal die Woche setzen wir uns zusammen und schauen, was wir kommende Woche alles zubereiten wollen. Hier ist es wichtig vorher in den Kühl- und Vorratsschrank zu schauen: was ist von letzter Woche übrig geblieben und muss verkocht werden?
Für alle weiteren Gerichte lassen wir mit einfließen, was wir gerade im Garten haben oder worauf wir Lust haben. Alles was fehlt wird in der genauen Menge auf den Einkaufszettel notiert.
Klar, lange haltbare Dinge wie Sahne, Getreide usw. können in höheren Mengen gekauft werden, als wir für die Gerichte benötigen. Auch gibt es immer 2-3 Salate und Gemüse wie Tomaten für die Brotzeit dazu, denn das wird immer gegessen. Alles andere wird aber dann ziemlich genau notiert. Auch müssen es nicht 3 Käsesorten sein, sondern es genügt einer und die kommende Woche darf es dann ein anderer sein.

Jetzt kommt der Einkauf und hier passiert den meisten Menschen wohl der große Fehler: Sie sehen ein Angebot nach dem anderen – und da man ja sparen will – wird Dies und Das auch noch mit eingepackt. Das Ergebnis ist ein über-voller Kühlschrank und es kommt unweigerlich dazu, dass Lebensmittel schon vor der Nutzung schlecht werden.
Daher sind wir da nun sehr konsequent: Gekauft wird nur, was wir wirklich benötigen und auch geplant haben. Auch wenn davon einiges mal nicht im Angebot ist, kommen wir dabei doch weit günstiger davon, als wenn wir Lebensmittel ständig wegschmeissen würden.

Seit Anfang Mai haben wir so nun komplett umgestellt und siehe da:
Das Einzige, was wir neben Verschnitt (also wirklich nicht essbarer Biomüll) weggeschmissen haben, war eine Avocado und 3 Stängel Koriandergrün. Aus der Avocado wollte ich heute einen tollen Aufstrich zaubern und ich hatte ihr im Kühlschrank eine Haltbarkeit von einer Woche zugemutet – dies war leider zu viel, sie war heute nicht mehr genießbar. Und das Koriandergrün war ein Fehlkauf. Wir haben es zwar in viele Gerichte untergemischt, doch sagte der Geschmack uns allen so wenig zu, dass ein Rest blieb, der dann verwelkte.

Mehr Lebensmittel verdarben uns bisher im ganzen Monat – aufgrund der Planung – nicht. Auch gab es keine Reste von gekochten Essen. Entweder wurden diese zum Abendessen noch zur Brotzeit dazugegessen oder es gab mit einem leckeren Salat nochmal am kommenden Tag ein vollwertiges Gericht. Daher planen wir je Woche immer nur fünf Gerichte neu – denn etwas bleibt immer übrig und kann so am kommenden Tag neu verwertet werden.

Also am Besten immer die Woche vorraus planen und dabei schauen, was noch verarbeitet werden muss, weil es kurz vorm Ablauf steht. Auch innerhalb der Woche kann man noch kreativ sein. Bei uns waren einige geschnittene Kräuter zu viel vorhanden. Also entweder einfrieren oder wir haben dann einfach ne leckere Kräuterbutter daraus gezaubert und ein Kräuterbrot gebacken.

Was macht man aber nun, wenn man reichlich „zu viele“ Lebensmittel hat, warum auch immer?
Z.B. wegen einer guten Ernte im Garten, weil man etwas geschenkt bekam oder sich verplant hat?
Hier gibt es zwei gute Anlaufstellen – zum einen kann man die Lebensmitten bei der nächstgelegenen Tafel abgeben oder man hat die Möglichkeit diese z.B. über http://foodsharing.de/ oder Tauschkreise zu verschenken.
Auch freut sich oft ein Nachbar oder Freunde über einen netten Essenskorb.

 

Ein anderes Thema ist nochmal das Vermeiden von Verpackungen und die Wiederverwertung.
Diesem Thema widmen wir uns ein anderes mal.

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9 Kommentare zu “Wegwerf-Gesellschaft – wie ändern wir etwas daran?

  1. Ja ich finde auch das Lebensmittel,sei es Brot oder Gemüse und Obst nicht einfach weggeworfen werden sollten!! Dann lieber abends günstiger verkaufen oder der Tafel spenden!!

    • Dem muss ich Recht geben und dennoch bleibt sehr vieles übrig, dass nach diesem Vorgehen einfach weiterhin im Müll landet. Daher ist das Projekt Foodsharing so spannend, weil diese die Kooperation mit den Geschäften über diese Möglichkeiten hinaus abnehmen und fairteilen…. in den Städten ist das Problem und damit auch das Potential für diese Dinge natürlich weitaus höher.

    • Vielen Dank für den Link! Ich denke es geht sehr vielen Menschen so und viele stellen sich die Frage was kann ich tun….

  2. Hallo. Aufgrund einiger „Schwierigkeiten“ im privaten Bereich, (Bandscheibenvorfall,meines Mannes, darauffolgende Kündigung seines Betriebes) mussten wir den Gürtel deutlich enger schnallen. Wir sind 5 Pers. (Kinder von 5 bis 9 Jahre) Kinderklamotten habe ich immer schon gern Second- Hand gekauft, Weil wir Haut- empfindliche Gesellen haben. Aber auch die Einkäufe wurden von mir immer mehr optimiert! Mittlerweile kaufe ich auch für uns Eltern gern Secondhand und bin fast schon zu geizig, mir „normale Klamotten“ im Laden zu kaufen. Mangelndes Geld führte bei uns zu immer mehr Reflektion, was wirklich gebraucht wird. Früher bin ich mit der Einstellung einkaufen gegangen: Was KÖNNTEST du denn brauchen? Wie schrecklich! (Aus heutiger Sicht) Jetzt kaufe ich wirklich nur das, was ich brauche, der Garten „spendet“ den Rest. 😉 Am Ende der Woche ist der Kühlschrank wirklich ratzeputz- leer und alles verbraucht. Die tollen Postwurfsendungen zum Wochenende, mit den „KnallerAngeboten“ 😉 landen bei mir immer öfter ungesehen in der Papiertonne. Früher habe ich sie „Verschlungen“ Mittlerweile hat mein Mann wieder Arbeit, aber unsere Konsumeinstellung ist geblieben. Es ist toll zu sehen, wie „erhaben“ man über diesen Konsumterror wird. Selbst die Kinder: „Mama, meine Brotdose ist kaputt. Kann ich eine aus Metall haben, die hält länger und belastet die Umwelt nicht so doll.“ Genial, oder? Als Eltern ist man größtes Vorbild. Ihr Blog inspiriert mich sehr, sowie der vom Experiment Selbstversorgung. Der Freundeskreis „belächelt“ unsere Konsumhaltung, einige wiederum finden es toll, holen sich Ideen ab, einige haben sich sogar abgewandt. Sogar das hat Befreit. Im Großen und Ganzen sage ich: Weiter so! Ich finde es toll, mit der Erde vernünftiger Umgehen zu wollen, schließlich haben wir nur die eine!

    • Hallo Meike,

      vielen Dank für Deinen Kommentar zu unserem Blog.

      Wir kennen das nur zu gut. Früher haben wir spasseshalber so manchen Exoten unter uns privat Biofutzi genannt und heute nennen wir uns selbst mit Stolz als solche 😉 Auch wenn wir hier vielleicht auch den ein oder anderen im Freundeskreis als komisch vor gekommen sind, ist das heute alles völlig normal. Aus unserer Sicht ist es wichtig sich auf das zu besinnen was gebraucht wird und nicht auf das was man vielleicht brauchen könnte, wie Du es so schön beschreibst. Gebrauchen können kann man nämlich sehr vieles und dann liegt alles doch herum oder belastet statt zu entlasten oder zu helfen.

      Bei uns gab es eine Phase in der wir sagten wir hören auf mit dem Konsum und haben dann aber nur die Art und Weise geändert. Wir haben nicht mehr gekauft, sondern getauscht auf Teufel komm raus und im Grunde wurde das Haus dadurch nicht leerer. Eigentlich wurde es erst einmal noch mehr, denn es gibt so vieles was andere nicht mehr brauchen und man im Tausch dann einfach noch so mitnimmt/mitbekommt und oder sammelt. Tja, eines Tages viel es uns dann wie Schuppen von den Augen und standen da und meinten, sooooo kommen wir auch nicht auf einen grünen Zweig.

      Weniger ist mehr!

      Klar es gibt einige Bereiche da brauchts Zubehör, Werkzeuge und Material … dafür gibt es ganz vieles was nicht mehr gebraucht wird und das befreit 😉

      Danke nochmal und viel Erfolg bei weiteren kleinen Schritten

  3. Nochmal Hallo!
    Bei uns gab es die Phase des Konsum-umschichtens auch! Nämlich als wir die total praktischen Kindersachen Flohmärkte und Börsen für uns entdeckt hatten. (Hihi) Ich bin hin, hab unsere Kindersachen verkauft, kam aber mit der selben Menge (meistens überflüssiger) Klamotten wieder zurück. Mit der 5 Sommerjacke, weil die ja sooooo günstig war, oder den Winterstiefeln für „bloß 1 Euro!“ die ich im Sommer gekauft hatte und die im Winter sowieso nicht mehr passten……Irgendwann hatten wir 12(!) Kartons Kinderklamotten auf halde liegen. Dann hatte auch ich gemerkt: Das geht gar nicht mehr! Ich fühlte mich auch total befreit, als der Krempel endlich gespendet war. Es gibt Sachen, von denen mag ich mich einfach nicht trennen: Das tolle Holz- Schaukelpferd unseres jüngsten, z.B. Oder unser Babytragetuch, das im Sommer noch als Hängematte herhalten muss. 🙂 Die Zukunft zeigt, wie wenig wir wirklich noch brauchen…..

    Danke für den tollen Blog und weiter so!

    • Es ist so schön zu lesen, dass es mehr Familien gibt die sich auf diesen „Weg“ machen 🙂

      Ja, ich denke in diese, ich nenne es mal, alternative Konsumfalle, tappen auch die meisten die Ihr Leben in dieser Hinsicht ändern wollen. Bei uns war das ganz genauso und werden in den nächsten Wochen noch einmal gründlich aussortieren, verschenken, vertauschen, spenden und entsorgen was nicht gebraucht wird. Eines der besten Beispiele sind Bücher. Wir lieben Bücher und werden sicher auch eine ordentliche Familienbiliothek aufbauen. Doch wer braucht schon 50 vegetarische Kochbücher in denen oft das gleiche steht?! (Btw. braucht Ihr welche?)

      Ich bin zum Beispiel gerade am schauen wie viel Klamotten brauche ich denn wirklich. Wie viel ziehe ich selbst an und was liegt die meiste Zeit herum. Denn wir haben hier alle sicherlich viel zu viel Zeug im Schrank. Tja, und das wenige was ich wirklich brauche kann dann ökologisch und fair bzw. hochwertig sein.

      Es wäre schön, wenn Ihr hin und wieder Eure Erfahrunge mit uns teilt!

      Liebe Grüße
      Andreas

  4. Klar, teilen wir gerne unsere Erfahrungen mit Euch, macht Ihr ja auch! 😉
    Tatsächlich biete ich gerade bei E-bay auf das Kochbuch von Sebastian Dickhaut: Vegetarian Basics! 😀 Wenn Ihr das hättet, wäre das ja genial! Ansonsten nehme ich auch gern ein vegetarisches Kochbuch. Vielleicht haben wir auch etwas für Euch zum vertauschen?Unser Bücherregal wird ansonsten auch gerade geleert. Wir haben hier total praktische „Bücherschränke“ in den Strassen stehen, in die man seine ausgelesenen Bücher stellen kann, und sich vielleicht ein anderes herausnehmen kann. Werden dann Abends von einem ehrenamtlichem Helfer verschlossen. Zum Thema Klamotten- kommt bei mir alles weg, was ich länger als ein Jahr nicht anhatte. Mit Ausnahme der Jacken, und spezieller Kleidung wie z. B. festliche Kleider, die zieht man eh nur bei Bedarf an. Dieses Jahr sind 5 Teile weggekommen, den Rest trage und brauche ich. Im Jahr davor, war das z. B. ein ganzer Sack!!!!! Wenn ich dann eine Hose ersetze, gucke ich auch, ob ich aus nachhaltiger Herstellung, oder Secondhand etwas bekomme. Bei den Kindern haben wir eh etwas mehr Rotation. 😉
    Liebe Grüße, Meike

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